In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung habe ich mich am 12. April auf Seite 16 mit der Frage beschäftigt, ob es eigentlich eine vernünftige Blaupause für das künftige Verhältnis zum Vereinigten Königreich nach dem erfolgten Brexit gibt. Da seitens der Briten jegliche Regelung zur Personenfreizügigkeit abgelehnt wird, scheidet eine Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) mit Zollunion und Teilnahme am Binnenmarkt von vornherein aus; auch ein Beitritt zur Europäischen Freihandelsassoziation (Efta) scheint unwahrscheinlich. Die Diskussion konzentriert sich deshalb unter anderem auf das gerade im Ratifikationsverfahren befindliche europäisch-kanadische Abkommen Ceta. Das Problem: Das Abkommen enthält einen Streitschlichtungsmechanismus in Form eines öffentlichen Investitions-Schiedsgerichts, dem "Investment Court System". Nichts läge näher, als diesen Mechanismus auch in ein künftiges europäish-britisches Freihandelsabkommen zu übernehmen. Ob die Briten das mitmachen, ist allerdings mehr als unklar, war doch die "Unterwerfung" unter den Europäischen Gerichtshof (EuGH) einer der Hauptgründe, weshalb das Vereinigte Königreich raus wollte aus der EU. Einem klassischem Schiedsgericht würden sie sicher zustimmen, einem Modell wie bei Ceta sicher nicht. Wie vor dem Hintergrund einer solchen Konfliklage ein Freihandelsabkommen geschlossen werden soll, ist mir schleierhaft.  

Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland hat vergangene Woche formell seinen Austritt aus der EU erklärt. Und weil es so einen Austritt in der Geschichte der Europäischen Staatengemeinschaft noch nie gegeben hat, werden die Verhandlungen darüber langwierig und schwierig werden – so viel ist sicher. Am 16. März habe ich in meinem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geschrieben, dass „auch nach dem Brexit London weiter für EU-Schulden haften muss“. Die britische Regierung sieht das naturgemäß anders. Ob es der Europäische Gerichtshof (EuGH) sein wird, der in dieser Streitfrage schließlich Recht sprechen darf bzw. muss oder ein neues Schiedsgericht, dazu haben die Briten noch keinen Vorschlag gemacht. Völkerrechtlich ist diese Frage nicht vollständig geklärt. Meiner Auffassung nach kommt man allerdings nicht daran vorbei, dass der EuGH als bisherige „Schlichtungsstelle“ zuständig bleibt. Das gilt dann, wenn es kein formales Austrittsabkommen und somit einen "hard Brexit" geben sollte. Und es gilt erst recht dann, wenn die den Austritt betreffenden Fragen Gegenstand eines formalen Austrittsabkommen werden. Schließlich haben sich alle EU-Staaten einst darauf geeinigt, Streitigkeiten untereinander auf diese Weise zu klären. Wieso sollte das gerade bei Streitigkeiten, die sich um den Austritt eines Mitgliedstaates drehen, anders sein?

"Zerfällt die Europäische Union?", fragt das Magazin "Kompass" der katholischen Militärseelsorge in ihrer Oktoberausgabe. Ich sage, wir sollten mehr machen als immer nur zu meckern, dann sehe ich für unsere Europäische Union eine gute Zukunft voraus. Aber lesen Sie doch einfach selbst: Hier ab Seite 8.

Mit ein Hauptkritikpunkt an TTIP und CETA, den Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada, ist die Existenz von Schiedsgerichten - von "Paralleljustiz, die den Rechtsstaat aushebelt" ist da häufig die Rede. Bei CETA ist an Stelle von Schiedsgerichten ein internationaler Gerichtshof geplant. Aber wozu braucht man Schiedsgerichte überhaupt? Und warum ist ein internationaler Gerichtshof demokratisch legitimiert? Die Antworten liefere ich in diesem kurzen Video auf Facebook.  

Die Skepsis ist groß, die Ablehnung gegenüber dem Freihandelsabkommen TTIP wächst. Dabei bin ich überzeugt: Deutschland und die EU haben ein großes Interesse daran, das Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten abzuschließen und die Spielregeln des weltweiten Handels mitzubestimmen. Warum also geben wir TTIP nicht eine Chance, ein ausgereiftes Abkommen zu werden?

Diese Frage stelle ich in einem Gastkommentar für den "Kölner Stadt-Anzeiger", der heute, am 15. September 2016, auf Seite 4 der Druckausgabe erschienen ist. Ich erkläre auch, warum ich sicher bin, dass wir Abkommen wie TTIP brauchen. Und ich komme zu dem Schluss: "Angst hat bei der Erarbeitung solcher Großprojekte noch nie weitergeholfen."

Für alle, die den Stadt-Anzeiger gerade nicht zur Hand haben, hier der Link zu einer PDF mit meinem Text. Optisch weniger schön, aber inhaltlich identisch.

Im Onlinemagazin "one" der REWE Group schreibe ich in einem Gastbeitrag, warum ich es für sinnvoll halte, weiter über das Freihandelsabkommen mit den USA zu verhandeln. Auf das gängige Vorurteil, TTIP senke unsere hohen europäischen Lebensmittelstandards, gehe ich in diesem Beitrag gesondert ein.