In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung habe ich mich am 12. April auf Seite 16 mit der Frage beschäftigt, ob es eigentlich eine vernünftige Blaupause für das künftige Verhältnis zum Vereinigten Königreich nach dem erfolgten Brexit gibt. Da seitens der Briten jegliche Regelung zur Personenfreizügigkeit abgelehnt wird, scheidet eine Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) mit Zollunion und Teilnahme am Binnenmarkt von vornherein aus; auch ein Beitritt zur Europäischen Freihandelsassoziation (Efta) scheint unwahrscheinlich. Die Diskussion konzentriert sich deshalb unter anderem auf das gerade im Ratifikationsverfahren befindliche europäisch-kanadische Abkommen Ceta. Das Problem: Das Abkommen enthält einen Streitschlichtungsmechanismus in Form eines öffentlichen Investitions-Schiedsgerichts, dem "Investment Court System". Nichts läge näher, als diesen Mechanismus auch in ein künftiges europäish-britisches Freihandelsabkommen zu übernehmen. Ob die Briten das mitmachen, ist allerdings mehr als unklar, war doch die "Unterwerfung" unter den Europäischen Gerichtshof (EuGH) einer der Hauptgründe, weshalb das Vereinigte Königreich raus wollte aus der EU. Einem klassischem Schiedsgericht würden sie sicher zustimmen, einem Modell wie bei Ceta sicher nicht. Wie vor dem Hintergrund einer solchen Konfliklage ein Freihandelsabkommen geschlossen werden soll, ist mir schleierhaft.