Zum Gedenken an die verfolgten Christen in aller Welt hat die Katholische Kirche den Stephanustag gewählt, den 26. Dezember. Aus diesem Anlass wird in den katholischen Gottesdiensten häufig eine Fürbitte gebetet. Das ist gut, aber das reicht nicht. Wir müssen das Thema laut ansprechen, den Verfolgten eine Stimme geben – und zwar nicht nur am zweiten Weihnachtsfeiertag, sondern immer wieder. Es ist für unsere Glaubensschwestern und -brüder wichtig zu wissen, dass wir sie nicht vergessen haben. Gleichzeitig weisen wir so die Feinde der Religionsfreiheit in die Schranken und zeigen, dass wir nicht bereit sind, Einschränkungen dieses Menschenrechtes hinzunehmen.

Während wir in Deutschland Weihnachten feiern, kämpfen Christen, Jesiden und Muslime in Syrien und im Irak ums nackte Überleben, die „Wiege des Christentums“ droht ausgelöscht zu werden. In Ägypten wurden erst vor wenigen Tagen Christen bei einem Anschlag auf eine Kirche getötet. In der Türkei nimmt der staatliche Druck auf religiöse Minderheiten zu; die einzige christliche Oberbürgermeisterin dort wurde des Amtes enthoben. In vielen Fällen wird subtiler vorgegangen: So wurde in Indien der 25. Dezember– zufällig auch der Geburtstag eines ehemaligen Premierministers – als ‚Good Governance Day‘ ausgerufen und damit ein christlicher Feiertag entwertet. Gegen solche Bestrebungen müssen wir die Stimme erheben. Als Vorsitzender des Stephanuskreises tue ich das regelmäßig, anlässlich des Stephanustages mit Hilfe einer Pressemitteilung

Christliche Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen haben am heutigen Montag erneut eine Befragung von Opfern religiös motivierter Übergriffe in deutschen Flüchtlingsheimen vorgestellt. Darunter sind nach Angaben der Organisationen 743 Christen und Jesiden, die angeben, in den Notunterkünften aus religiösen Gründen angegriffen worden zu sein. Dazu sagen der kirchen- und religionspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Franz Josef Jung, und ich als Vorsitzender des Stephanuskreises: „Wer Christen und religiöse Minderheiten in Flüchtlingsunterkünften angreift, hat seine Zukunft bei uns in Deutschland verwirkt und muss gehen!" Wer aber aus einer Liste ungeprüfter Vorwürfe sofort Tatsachen macht, handelt verantwortungslos. Deshalb müssen immer alle Beteiligten eines Vorfalls befragt werden. Wichtig ist die Sensibilisierung in den Ländern und Kommunen für dieses Thema. Lesen Sie hier unsere gesamte Pressemitteilung dazu.

Seit kurzer Zeit hat die neu eingerichtete Ombudsstelle für Flüchtlinge in Köln ihre Arbeit aufgenommen. Ich glaube: Die einzigartige Einrichtung könnte als Vorbild für eine vergleichbare, bundesweite Ombudsstelle dienen. Vorwürfe wie religiöse Diskriminierung durch andere Flüchtlinge, aber auch sexuelle Übergriffe oder anderweitige Verletzungen der Menschenwürde müssen neutral aufgegriffen werden, um die Fakten offenzulegen, Gerüchten vorzubeugen und möglicherweise auch juristische Schritte einleiten zu können.

Meine Pressemitteilung zu dem Thema lesen Sie hier.

Aus Anlass der massiven Einschränkungen im Nachgang zu dem Putschversuch vom 15. und 16. Juli 2016 in der Türkei zeigt sich der Vorsitzende des Stephanuskreises, Heribert Hirte, besorgt über die Folgen gerade auch für die Religionsfreiheit. So sollen u.a. Pro-Erdogan-Demonstranten am 19. Juli 2016 in Trabzon die dortige Marienkirche angegriffen haben.


Dazu hat sich Hirte in einem Brief an Staatspräsident Erdoğan klar positioniert „Die Ausrufung des Notstandsrechts darf nicht dazu genutzt werden, Einschnitte in das Innerste, in den Glauben Ihrer Bürgerinnen und Bürger zu rechtfertigen. In gleicher Weise darf auch der Schutz von Gläubigen und religiösen Stätten gegen Angriffe von anderen Bürgerinnen und Bürgern, nicht hinter anderen Sicherheitsmaßnahmen anstehen“. Er wendet sich direkt an Präsident Erdogan mit den Worten „Muslime aller Konfessionen, seien es Sunniten, Schiiten oder Aleviten, aber auch Christen und Juden müssen weiterhin ihren Glauben frei, öffentlich und ohne staatliche Einmischung in der Türkei leben und praktizieren können. Mitbürgerinnen und Mitbürger, insbesondere auch solchen mit türkischen Wurzeln, schätzen in Deutschland die grundgesetzlich verbürgte – positive wie negative – Religionsfreiheit und erwarten von Ihnen als Oberhaupt eines modernen Staates das unbedingte Bekenntnis zu ihr.“


Zur aktuellen Debatte in Deutschland über die Anerkennung von DITIB oder deren Moscheevereine als öffentlich-rechtliche Körperschaften ergänzt er: „Die Anerkennung dieser Institutionen als Körperschaften des öffentlichen Rechts schätze ich derzeit nicht als realistisch ein; denn formale Kernbedingung hierfür ist zunächst einmal die Identifizierung ihrer Mitglieder. Dies ist aber bei vielen Moscheegemeinden nicht der Fall. Auch die Zuverlässigkeit in Bezug auf ihre Rechtstreue müsste sehr intensiv und ergebnisoffen geprüft werden.“

Lesen Sie hier mein aktuelles Presse-Statement zu diesem Thema.

Den offenen Brief finden Sie hier.

Wir müssen sichergehen, dass Christen auch in solchen Unterkünften sicher vor Diskriminierung sind, wo die Träger nicht christlich sind. Denn auch wenn Übergriffe und andere Bedrohungen nur vereinzelt stattfinden, müssen wir uns um die Betroffenen kümmern.

Lesen Sie hier mein aktuelles Presse-Statement zu diesem Thema.

Der staatliche Islam-Rundfunk TRT-Diyanet nutzt im ‪Ramadan‬ ausgerechnet die Hagia Sophia in Istanbul als Moschee. Bereits das finde ich problematisch, weil das Gebäude nach seiner wechselvollen Geschichte als Museum eigentlich allen Religionen offen stehen soll. Dass der Istanbuler AKP-Abgeordnete Şamil Tayyar nun sagt, westliche Christen seien keine Freunde der Türken mehr, finde ich erschreckend!

Lesen Sie dazu meine aktuelle Pressemitteilung.