Es waren bewegende Berichte, die der Stephanuskreis aus Indien zu hören bekam. Auf Einladung des Vorsitzenden schilderten Pfarrer Arul Lourdu (Mitte), Leiter der Seelsorgeeinheit der Gemeinde Leimen, und eine indische Ordensschwester, deren Namen und Gesicht wir zu ihrem eigenen Schutz nicht nennen und zeigen wollen, ihre Perspektive, aus der sie die Lage der Christen in ihrer Heimat beobachten.

Seit dem deutlichen Wahlsieg der hinduistischen Nationalpartei vor einem Jahr sei es verstärkt zu Übergriffen hindu-nationalistischer Extremisten auf Kirchen und andere christliche Einrichtungen gekommen. Auch Massenkonvertierungen zum Hinduismus habe es wiederholt gegeben. Premierminister Modi war für seine zurückhaltende Politik zunächst scharf von Kirchen und der Opposition kritisiert worden. Vor diesem Hintergrund hielt er im Februar 2015 auf Einladung der römisch-katholischen Kirche eine Rede in Delhi, in der er erstmals öffentlich und in aller Deutlichkeit jegliche religiöse Gewalt verurteilte und den Minderheiten im Land den uneingeschränkten Schutz der Regierung zusicherte. Er stellte sich damit demonstrativ vor die Christen im Land. Doch die Gäste im Stephanuskreis befürchten, dass Christen für den indischen Regierungschef keinen Wert haben. Sie erzählen, dass Anzeigen wegen antichristlicher Gewalt zuweilen erst gar nicht aufgenommen würden. Unterdrückung, Benachteiligungen, Vergewaltigungen und sogar brutale Gewalt seien für die Glaubensgemeinschaft gegenwärtig. „Die Zeit, in der die verschiedenen Religionen Indiens friedlich nebeneinander existieren konnten, scheint leider vorbei. Und das, obwohl die Christen gerade einmal 2 Prozent der rund 1,3 Milliarden Einwohner Indiens ausmachen.“ Stephan Harbarth, MdB, (links im Bild) aus dessen Wahlkreis Pfarrer Lourdu kommt, erklärte nach dem Treffen: „Wenn Christen verfolgt werden, ganz gleich, in welchem Land, dann ist das für uns ein Thema, wir schauen nicht weg.“

Es gilt nun, die Lage für Christen in Indien aus einer anderen, staatlichen, Perspektive zu betrachten, um sich ein umfassendes Bild zu machen. In einer der kommenden Sitzungen möchte der Stephanuskreis klären, welche konkreten Maßnahmen die indische Regierung ergreift, um Christen in Indien zu schützen.