Ich finde es durchaus beachtenswert, was die Aleviten in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland geschaffen haben. In den 50er und 60er Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei eingewandert, gehören sie mittlerweile zu einer bestens integrierten Gemeinde, die sich klar zu ihrer neuen Heimat Deutschland bekennt.

Anlässlich der 25-Jahr-Feier der Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V., die Ihren Hauptsitz in Köln hat, war ich gebeten worden, das Grußwort zu sprechen. Darin habe ich nochmal betont: „Jeder Alevit in Deutschland ist ein lebendiges Zeugnis des gelebten Menschenrechts auf Religionsfreiheit. Die Anerkennung unserer demokratisch-freiheitlichen Grundordnung, die Frage nach Bildung, der Wille zur Gleichberechtigung der Geschlechter sowie die Nächstenliebe und der sich daraus ergebende Dienst an der Gesellschaft gehört zu Ihrem Selbstverständnis. Für die Politik sind Sie daher geschätzte Ansprechpartner, wenn es um Fragen der Integration oder der religiösen Bildung geht.“

Schätzungsweise rund ein Drittel der drei Millionen türkeistämmigen Einwanderer sind Aleviten – genaue Zahlen gibt es nicht. Zwar zählen offizielle Statistiken die Gruppe stets zu den rund 4 Millionen Muslimen in Deutschland. Doch die Frage, ob die Aleviten tatsächlich Muslime sind oder nicht, ist ungeklärt. Orthodoxe Muslime werfen den Aleviten immerhin vor, sie seien Ungläubige. Die Türkei erkennt die Aleviten nicht als eigenständige Religion an – dort gelten sie zwangsweise als Muslime. Doch ein Großteil der Aleviten distanziert sich vom Islam.