Naghmeh Abedini, die Ehefrau des im Iran inhaftierten Konvertitenpastors Saeed Abedini, ist auf Einladung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) nach Europa gekommen. Neben Treffen mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments kam sie diese Woche auch zu uns in den Stephanuskreis, um für die Freilassung ihres Ehemannes zu kämpfen. Saeed Abedini wurde vor drei Jahren wegen der Gründung von Hauskirchen zu acht Jahren Haft verurteilt. Er ist das Gesicht der verfolgten Christen im Iran und ein Symbol für die Lage ehemaliger Muslime, die Christen wurden. In emotionalen Worten berichtete seine Frau von den menschenunwürdigen Haftbedingungen, in denen sich ihr Mann befände. „Zusammen mit etwa 80 Häftlingen ist er in einer Zelle eingesperrt, die für 20 Personen ausgelegt ist. Die fensterlose und unterirdische Zelle ist voller Ratten, Schaben und Unrat.“ Frau Abedini lebt mit ihren zwei Kindern in den USA und sagte im Stephanuskreis: „Deutschland darf die Minderheiten im Iran nicht vergessen.“ Martin Lessenthin, Sprecher des Vorstands der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, appellierte an die Abgeordneten, schnell zu handeln. Nach Überzeugung der IGFM hat Deutschland vor allen anderen Staaten die größten Möglichkeiten, positiv auf die iranische Regierung einzuwirken: „Deutschland und die EU dürfen über ihr Engagement bei den Nuklearverhandlungen die systematische Entrechtung der Iraner durch ihre eigene Regierung nicht vergessen. Das Zeitfenster für Verbesserungen bei den Menschenrechten wird sich schließen, sobald die Tinte unter dem Nukleardeal getrocknet ist. Die Zeit jetzt ist so günstig wie lange nicht – und sie ist kurz und kostbar.“ In ihrer aktuellen Pressemitteilung schreibt die Menschenrechtsorganisation: „Deutschland kann viel mehr tun.“

Fotos von dem Treffen finden Sie hier.

Ich finde es durchaus beachtenswert, was die Aleviten in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland geschaffen haben. In den 50er und 60er Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei eingewandert, gehören sie mittlerweile zu einer bestens integrierten Gemeinde, die sich klar zu ihrer neuen Heimat Deutschland bekennt.

Anlässlich der 25-Jahr-Feier der Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V., die Ihren Hauptsitz in Köln hat, war ich gebeten worden, das Grußwort zu sprechen. Darin habe ich nochmal betont: „Jeder Alevit in Deutschland ist ein lebendiges Zeugnis des gelebten Menschenrechts auf Religionsfreiheit. Die Anerkennung unserer demokratisch-freiheitlichen Grundordnung, die Frage nach Bildung, der Wille zur Gleichberechtigung der Geschlechter sowie die Nächstenliebe und der sich daraus ergebende Dienst an der Gesellschaft gehört zu Ihrem Selbstverständnis. Für die Politik sind Sie daher geschätzte Ansprechpartner, wenn es um Fragen der Integration oder der religiösen Bildung geht.“

Schätzungsweise rund ein Drittel der drei Millionen türkeistämmigen Einwanderer sind Aleviten – genaue Zahlen gibt es nicht. Zwar zählen offizielle Statistiken die Gruppe stets zu den rund 4 Millionen Muslimen in Deutschland. Doch die Frage, ob die Aleviten tatsächlich Muslime sind oder nicht, ist ungeklärt. Orthodoxe Muslime werfen den Aleviten immerhin vor, sie seien Ungläubige. Die Türkei erkennt die Aleviten nicht als eigenständige Religion an – dort gelten sie zwangsweise als Muslime. Doch ein Großteil der Aleviten distanziert sich vom Islam.

 

Es waren bewegende Berichte, die der Stephanuskreis aus Indien zu hören bekam. Auf Einladung des Vorsitzenden schilderten Pfarrer Arul Lourdu (Mitte), Leiter der Seelsorgeeinheit der Gemeinde Leimen, und eine indische Ordensschwester, deren Namen und Gesicht wir zu ihrem eigenen Schutz nicht nennen und zeigen wollen, ihre Perspektive, aus der sie die Lage der Christen in ihrer Heimat beobachten.

Seit dem deutlichen Wahlsieg der hinduistischen Nationalpartei vor einem Jahr sei es verstärkt zu Übergriffen hindu-nationalistischer Extremisten auf Kirchen und andere christliche Einrichtungen gekommen. Auch Massenkonvertierungen zum Hinduismus habe es wiederholt gegeben. Premierminister Modi war für seine zurückhaltende Politik zunächst scharf von Kirchen und der Opposition kritisiert worden. Vor diesem Hintergrund hielt er im Februar 2015 auf Einladung der römisch-katholischen Kirche eine Rede in Delhi, in der er erstmals öffentlich und in aller Deutlichkeit jegliche religiöse Gewalt verurteilte und den Minderheiten im Land den uneingeschränkten Schutz der Regierung zusicherte. Er stellte sich damit demonstrativ vor die Christen im Land. Doch die Gäste im Stephanuskreis befürchten, dass Christen für den indischen Regierungschef keinen Wert haben. Sie erzählen, dass Anzeigen wegen antichristlicher Gewalt zuweilen erst gar nicht aufgenommen würden. Unterdrückung, Benachteiligungen, Vergewaltigungen und sogar brutale Gewalt seien für die Glaubensgemeinschaft gegenwärtig. „Die Zeit, in der die verschiedenen Religionen Indiens friedlich nebeneinander existieren konnten, scheint leider vorbei. Und das, obwohl die Christen gerade einmal 2 Prozent der rund 1,3 Milliarden Einwohner Indiens ausmachen.“ Stephan Harbarth, MdB, (links im Bild) aus dessen Wahlkreis Pfarrer Lourdu kommt, erklärte nach dem Treffen: „Wenn Christen verfolgt werden, ganz gleich, in welchem Land, dann ist das für uns ein Thema, wir schauen nicht weg.“

Es gilt nun, die Lage für Christen in Indien aus einer anderen, staatlichen, Perspektive zu betrachten, um sich ein umfassendes Bild zu machen. In einer der kommenden Sitzungen möchte der Stephanuskreis klären, welche konkreten Maßnahmen die indische Regierung ergreift, um Christen in Indien zu schützen.

Die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien hat erstmals in Deutschland einen Kirchentag abgehalten. Neben Vorträgen, Workshops, Musikdarbietungen und Ausstellungen hatten die Veranstalter im Kloster St. Jacob von Sarug zu Warburg eine Podiumsdiskussion organisiert. Gemeinsam mit S.H. Patriarch Moran Mor Ignatiius Aphrem II habe ich zu dem Thema "Christen im Nahen Osten - ein Ende der Geschichte?" diskutiert. Vor der Bühne versammelten sich weit über 1000 interessierte Zuhörer.

Fotos der Diskussion sehen Sie hier.

Ich habe S.E. Erzbischof Ilarion von Riwne und Ostrog nach Berlin in den Stephanuskreis eingeladen, damit er uns über die religiöse Dimension des Ukraine-Konflikts informiert. Er ist Beauftragter für die internationalen Beziehungen der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Kiewer Patriachats. Gemeinsam haben wir die Frage erörtert, welche Rolle die Russisch-Orthodoxe und die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche bei einer friedlichen Lösung des Konfliktes in der Ostukraine spielen könnten.

Bilder des Treffens finden Sie hier.

 

Im Gespräch mit dem syrisch-katholischen Erzbischof der Diözese Mossul, Yohanna Petros Mouche, ist deutlich geworden, wie dramatisch die Lage der Christen im Nordirak ist. Nachdem die Terroristen des Islamischen Staates Mossul 2014 erorbert hatte, zwangen sie die christlichen Einwohner entweder zum Islam zu konvertieren oder die Stadt zu verlassen. Rund 40.000 Christen haben daraufhin in Panik ihre angestammte Heimat in und um Mossul verlassen und Schutz in der weiter nördlich gelegenen kurdisch kontrollierten Region gesucht. Besonders der Mangel an Wohnungen und sauberem Trinkwasser mache den Flüchtlingen zu schaffen, erklärte der Erzbischof.  Er forderte im Gespräch mit mir deshalb eine Schutzzone für Christen im Irak.

Bilder unseres Treffens sind hier zu sehen.